Programm Herbstsemester 2011
Leitthema «Der Mensch und seine Tiere»
Die Vorträge finden im Hauptgebäude der
Universität statt,
Rämistrasse 71, Hörsaal KOL-G-221. Beginn jeweils 18.15 Uhr.
Programm 2011 als PDF
Dienstag, 27. September 2011
Unterschiede zwischen Wolf und Hund - neue
Erklärungsansätze
Dr. Friederike Range, Department of Cognitive Biology, Universität Wien
Der Hund, der beste Freund des Menschen, hat gerade in den letzten Jahrzehnten aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten auch in der Wissenschaft sehr viel Aufmerksamkeit erzielt. Diese besonderen Fähigkeiten werden meistens auf die Domestikation zurückgeführt. Allerdings ist es nicht möglich, die Effekte der Domestikation zu untersuchen, in dem man nur Hunde testet, denn das beobachtete Verhalten kann durch 1) Gemeinsamkeiten von Hunden und anderen Tieren, 2) Erfahrung oder Gelerntes, oder 3) hundespezifische Eigenschaften, die durch die Domestikation entstanden sind, erklärt werden. Um letzteres zu erforschen, sollte man eigentlich Hunde und ihre Vorfahren gleich aufziehen und ihr Verhalten miteinander vergleichen. Da der Vorfahre vom Hund heute nicht mehr vorkommt, ist die beste Methode, Hunde mit ihren nächsten, lebenden Verwandten, den Wölfen, zu vergleichen.
In diesem Vortrag, werden die ersten Ergebnisse vom Wolfsforschungszentrum vorgestellt. Dort werden Timber Wölfe und Hunde intensiv sowohl mit Menschen als auch mit einer Auswahl an Haushunden sozialisiert, die dann als soziale Partner in verschiedenen Verhaltenstudien fungieren. Da die Wölfe und Hunde gleich aufgezogen und gehalten werden, können die beobachteten Unterschiede auf genetische Unterschiede, also Domestikation, zurückgeführt werden und nicht durch unterschiedliche Erfahrung erklärt werden. Die Ergebnisse zeigen schon jetzt neue Erkenntnisse auf, die mit dem gängigen Theorien nicht wirklich übereinstimmen!
Dienstag, 11. Oktober 2011
Hausrind und Hausschwein - Domestikationsgeschichte in der Schweiz
Prof. Dr. Jörg Schibler, Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie, Uni Basel
Vor knapp 10'000 Jahren wurden die heute besonders wichtigen Haustiere Rind und Schwein im Nahen Osten domestiziert. Von da aus breiteten sich diese Wirtschaftstiere allmählich in andere geographische Räume und andere Kulturen aus. In Mitteleuropa treffen wir sie zum ersten Mal um 5500 v.Chr. an und in der Schweiz etwa um 5000 v.Chr. (Wallis). Kulturelle Vorlieben aber auch die sich verändernde Umwelt führen zu unterschiedlichen Bedeutungen und Wertschätzungen von Hausrindern und Hausschweinen in der Schweiz. Besonders reiche Informationen zu ihrer Wirtschaftsgeschichte bieten uns in der Schweiz die jungsteinzeitlichen Seeufersiedlungen («Pfahlbauten»), insbesondere diejenigen aus der Zürichseeregion.
Dienstag, 25. Oktober 2011
Katzen und Menschen: ihre Beziehung und Bedeutung
PD Dr. Dennis Turner, Verhaltensbiologie, Uni Zürich
Dennis Turner und sein Team von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und Studierenden haben fast 30 Jahre lang an der Universität Zürich, auf Bauernhöfen und in Privathaushalten, das Verhalten von Hauskatzen und ihre Beziehung zu Menschen untersucht. Der Referent wird versuchen, die wichtigsten Ergebnisse dieses Langzeitprojekts zusammenzufassen und die Konsequenzen für sowohl die Katzen wie auch die Katzenhalter aufzuzeichnen.
Dienstag, 8. November 2011
Der unzähmbahre Elch
PD Dr. Marcus Clauss, Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere, Vetsuisse Fakultät, Universität Zürich
Elche werden neben den Rentieren als die am leichtesten zu zähmende Hirschart bezeichnet. Elche wurden als Transport-, Zug- und Lasttiere eingesetzt und vor allem wegen ihrer Milch - der besondere, heilende Eigenschaften nachgesagt werden - sogar in Farmen gehalten. Dennoch gilt der Versuch, Elche zu domestizieren, nach mehreren Jahrzehnten als gescheitert. Elche unterscheiden sich wesentlich in Verhalten und Ernährung von denjenigen Wiederkäuern, die erfolgreich domestiziert wurden. Die Geschichte der versuchten «Elch-Domestikation» ist damit einerseits wegen ihrer Protagonisten amüsant und faszinierend. Andererseits kann sie uns interessante Hinweise auf solche Eigenschaften von Tieren geben, die Voraussetzung für eine Domestikation sind.
Dienstag, 22. November 2011
Vom Wild- zum Haustier:
Veränderungen im Laufe der Domestikation
Prof. Dr. Sylvia Kaiser, Verhaltensbiologie, Uni Münster
Seit mehr als 10.000 Jahren ist die Geschichte des Menschen eng mit der Haltung und Nutzung seiner Haustiere verwoben. Die meisten Tiere, die in Menschenhand leben, sind domestiziert und unterscheiden sich in der Regel durch eine Reihe von Merkmalen von ihrer wildlebenden Stammform (Domestikationsmerkmal). Die domestikationsbedingten Veränderungen in Physiologie und Verhalten können keinesfalls als degenerierte Merkmale angesehen werden; vielmehr erleichtern sie es den Haustieren, sich an die vom Menschen geschaffenen Haltungsbedingungen anzupassen.
Dienstag, 20. Dezember 2011
Bedrohte Jäger der Kalahari - Leoparden und Löwen im
Konflikt mit den Menschen
Monica Schiess-Meier, Leopard Ecology & Conservation, Khutse Game
Reserve, Gaborone, Botswana
Seit über 10 Jahren engagiert sich 'Leopard Ecology & Conservation' in Botswana für den Schutz des Lebensraums der Leoparden und der Löwen in der Kalahari. Durch den Verlust der Wildpark-Pufferzonen gerät der Wildtier-Lebensraum vermehrt in Konflikt mit der einheimischen Bevölkerung. Das Ziel des Projekts ist es, diesen Konflikt zu mindern und den Respekt und die Wertschätzung der Menschen gegenüber den wildlebenden Tieren zu steigern. Dazu sind gute biologische Kenntnisse von Leoparden und Löwen notwendig. Die wissenschaftlichen Resultate werden verwendet, um die betroffene einheimische Bevölkerung zu informieren und in kreativer Zusammenarbeit wirksame Herdenschutzstrategien zu erarbeiten. Diese umfassen auch eine artgerechte Nutztierhaltung sowie die Vermittlung landwirtschaftlicher Methoden.
«Preis für Natur- und Umweltschutz 2011»
Die Preisverleihung an Monica Schiess-Meier
feiern wir anschliessend an den Vortrag gemeinsam mit
einem Apéro vor dem Hörsaal.
Zoologische Gesellschaft Zürich www.zgzh.ch
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