
Programm Herbstsemester 2009
Leitthema «Darwin zu Ehren – Evolution»
Die Vorträge finden im Hauptgebäude der
Universität statt,
Rämistrasse 71, Hörsaal KOL-G-221. Beginn jeweils 18.15 Uhr.
Programm 2009 als PDF

Dienstag, 22. September 2009
Charles Darwin und die Folgen der Inzucht
Prof. Dr. Lukas Keller, Zoologisches Museum der Universität Zürich
Ist Inzucht, die Verpaarung unter Verwandten, eine erstrebenswerte oder eine
unerwünschte Art der Fortpflanzung? Charles Darwin, der im 2009 besonders
gefeierte Altmeister der Evolutionsbiologie widmete diesem Thema 1876 ein
ganzes Buch. Darin kam er zum Schluss, dass anhaltende Inzucht mehrheitlich
negative Folgen hat. Aber erst seit der Wiederentdeckung der mendelschen
Vererbungslehre und der Entwicklung der mathematischen Beschreibung
evolutiver Vorgänge ist es möglich, die Folgen der Inzucht ursächlich zu erklären.
Vor etwa 30 Jahren entwickelte auch die Naturschutzbiologie ein Interesse an
Fragen der Inzucht. Denn im Naturschutz geht es immer um Populationen, die so
klein geworden sind, dass Inzucht eine unvermeidbare Konsequenz ist. In diesem
Vortrag werde ich die Folgen der Inzucht aus evolutions- und naturschutzbiologischer
Sicht diskutieren. Dabei spielen Erkenntnisse aus Inselpopulationen
von Darwin's Finken in den Galapagos, von Singammern in Kanada und von
Steinböcken in der Schweiz eine zentrale Rolle.


Dienstag, 20. Oktober 2009
Menschenaffen wie wir. Bekenntnisse eines Primatologen
Prof. Dr. Volker Sommer, Dept. of Anthropology, University College London
Wir unterscheiden gerne «Menschen» von «Tieren». Das Kriterium der Trennung
bleibt gewöhnlich in Mode, bis Verhaltensforscher einen Affen entdecken, der
genau das kann, was angeblich allein die Krone der Schöpfung auszeichnet -
etwa, Zahlen zu addieren; sich im Spiegel zu erkennen; Laute zu Sätzen zu
kombinieren; gezielt Heilpflanzen anzuwenden; spezielles Gerät in logischer Folge
nacheinander einzusetzen.
Neueste Erkenntnisse über unsere nächsten Verwandten
belegen zudem, dass sie ebenfalls «kulturfähig» sind. Denn gleich menschlichen Ethnien befolgen etwa auch Bevölkerungen von Schimpansen je
nach Lebensraum besondere Sitten und Gebräuche - hinsichtlich Technologie
ebenso wie bei sozialen Gepflogenheiten oder quasi-religiösen Nahrungstabus.
Volker Sommer illustriert die verblüffenden Leistungen von anderen Tieren als
Menschen anhand eigener Forschungen an wilden Primaten. Dabei bemüht er
sich, die Evolutionstheorie konsequent weiter zu denken - als Gradualist, Monist
und Materialist. Er wirbt für einen neuen evolutionären Humanismus.
Fotos: Jutta Hof


Dienstag, 3. November 2009
Evolution des Naturschutzes
Prof. Dr. Klaus Robin, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen,
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Wädenswil
Bereits im Jahre 1548 legte der Glarner Rat den Grundstein zum ältesten, heute
noch bestehenden Wildschutzgebiet Europas, dem Freiberg Kärpf. Mit diesem
gut dokumentierten Beispiel, wie Artenschutz begann und wie er dort bis heute
betrieben wird, beginnt unser Überblick. Zahlreiche Zwischenstufen führen dann
vom Artenschutz zur Sicherung einer natürlichen Ressource über den Schutz
von Lebensräumen bis hin zur Frage, welche Folgen die Fragmentierung von
Habitaten nach zieht und wie ihnen begegnet werden kann.
Nach einer Phase
der ertragsorientierten Umgestaltung der Landschaft kam der Wunsch nach «Gewähren lassen», nach Prozessschutz auf. Dieser Wunsch, «alles» sich
selbst zu überlassen, findet dort seine Grenzen, wo der Mensch bestimmte Stadien
einer natürlichen Sukzession einfrieren will. Mit Schutzzielen behindert er
die Sukzession, um bestimmte, ausgewählte Arten zu fördern und andere
zurückzudrängen. Und was geschieht, wenn geschützte Arten erfolgreich werden
und sich Konflikte abzeichnen, weil Hab und Gut des Menschen gefährdet sind?
Fotos: Klaus Robin


Dienstag, 17. November 2009
Zoologische Gärten im Wandel der Zeit
Prof. Dr. Gunther Nogge, Direktor i.R. Kölner Zoo
Schon in den ersten Hochkulturen der Menschheit hat es Zoologische Gärten
gegeben. In ihrer langen Geschichte waren aber nicht nur die Haltungsbedingungen
der Tiere und die Art ihrer Präsentation gegenüber dem Publikum einem
ständigen Wandel unterworfen. Auch die sie tragende Philosophie, ihre Aufgabenstellung
und ihr Selbstverständnis haben sich weiter entwickelt.
Angesichts
des Wachstums der Weltbevölkerung und der dadurch bedingten Umweltzerstörung
und des Rückgangs der Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten in allen Teilen
der Welt sehen die Zoos es heute als ihre wichtigste Aufgabe an, einen Beitrag
zur Erhaltung der Biodiversität zu leisten.


Dienstag, 1. Dezember 2009
Die Zucht- und Forschungsstation für den Darwinfrosch
(Rhinoderma darwinii) in Chile
Dr. Jörg Junhold, Direktor Zoo Leipzig
Die Gattung Rhinoderma umfasst nur zwei in Chile und Argentinien vorkommende
Arten, von denen eine wahrscheinlich ausgestorben, die zweite durch Lebensraumzerstörung
gefährdet ist. Der Darwinfrosch (R. darwinii) wurde von Charles
Darwin während seiner legendären Reise mit der «Beagle» in Chile gesammelt
und nach Europa gebracht. Mitarbeiter des Forschungsmuseums Alexander König
in Bonn und der Fachzeitschrift «Reptilia» betreiben seit 2002 Bestandserhebungen
und untersuchen den Lebensraum, um daraus Schutzstrategien abzuleiten.
Seit 2005 fördert der Zoo Leipzig dieses Projekt und hat im Frühjahr 2009
eine Zucht- und Forschungsstation in Concepción (Chile) aufgebaut. Die ersten
Darwinfrösche werden bereits dort gehalten. Der Vortrag beleuchtet die Hintergründe
der globalen Amphibienkrise und die Rolle der Zoos bei der Organisation
des Amphibienschutzes im allgemeinen und geht speziell auf die Aktivitäten des
Leipziger Zoos zur Rettung des Darwinfrosches ein.


Dienstag, 15. Dezember 2009
Forschung zum Schutz von Darwin‘s Spottdrosseln in Galápagos
Cand. zool. Paquita Hoeck & Prof. Dr. Lukas Keller, Zoologisches Museum
der Universität Zürich
Als Charles Darwin 1835 die Galápagos Inseln besuchte, bemerkte er, dass die
Spottdrosseln auf der Insel Floreana sich von denen, die er zuvor auf San Cristóbal
gesehen hatte, unterschieden. Diese Beobachtung veranlasste ihn dazu, die
Unveränderlichkeit der Arten zu bezweifeln und trug schliesslich zur Entwicklung
seiner Evolutionstheorie bei. Ca 50 Jahre nach Darwins Besuch waren die Spottdrosseln
auf Floreana ausgestorben. Sie kommen heute nur noch auf zwei
kleinen Inseln vor. Als Schutzmassnahme wurde ihre Wiederansiedlung auf
Floreana geplant.
Wir untersuchen in diesem Zusammenhang die genetische
Struktur der zwei übrig gebliebenen Populationen und vergleichen diese mit jener
der ursprünglichen Floreana Population. Sollen Tiere von beiden Inselchen für
die Wiederansiedlung genommen werden oder sind die Populationen bereits
auseinander evoluiert oder ingezüchtet? Indem wir solche Fragen beantworten,
kombinieren wir Forschung mit Naturschutzmassnahmen.
«Preis für Natur- und Umweltschutz 2009»
Die Preisverleihung an Paquita Hoeck feiern wir anschliessend
an den Vortrag gemeinsam mit einem Apéro vor dem Hörsaal.

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